Eine Grundschule: Entscheidung noch in diesem Jahr
17. Oktober 2014
Noch in diesem Jahr will Bürgermeister Dr. Thomas Gans eine Entscheidung haben, wo künftig die Grundschule sein soll. Bekanntlich müssen wegen sinkender Schülerzahlen und aus Kostengründen zwei von den drei Schulgebäude geschlossen werden. Seit einem Jahr diskutieren Eltern, Lehrer und Bürger über diese Thema und haben viele Argumente ausgetauscht. Inzwischen liegt ein Gutachten eines Göttinger Architekturbüros vor, das die Vor- und Nachteile der Standorte ermittelt hat (s. unten unter "Downloads").
„Die Schülerzahlen sind eingebrochen“, nannte Thomas Gans einen der wichtigsten Gründe für die Schulschließung. Künftig wird die Grundschule nur noch zweizügig sein, also zwei Parallelklassen pro Jahrgang. Das auf drei Schulgebäude zu verteilen, sei pädagogisch und finanziell unsinnig, sagte der Bürgermeister heute in einem Pressegespräch. Zum kommenden Schuljahr werden 44 Kinder schulpflichtig, in den Folgejahren etwa 60. „Wir wären froh, wenn sich die Grundschule dreizügig einpendeln würde“, sagte er.
Ein weiterer Grund für die Schulschließung sei die Inklusion, also die Möglichkeit für geistig und körperlich behinderte Kinder, am normalen Unterricht teilzunehmen. Dafür müssten die Schulgebäude umgebaut werden. Alle drei Schulgebäude dafür umzurüsten, sei „nicht sinnvoll“, formulierte er vorsichtig.
Zusammen mit Bürgern, Eltern und Lehrer wollte der Bürgermeister ursprünglich eine einvernehmliche Lösung finden. Doch schnell standen die Interessen der einzelnen Schulen im Vordergrund, so dass die Diskussion im großen Rahmen „nicht zielführend“ war. Deshalb lud er zu weiteren Veranstaltungen nur diejenigen ein, „die es auch betrifft“, also die Schulvorstände, in denen Lehrer und Elternvertreter sitzen. Schnell wurde klar, dass es nur noch einen Schulstandort im gesamten Stadtgebiet geben kann. Da zu dem Zeitpunkt der Diskussion die Lutterbergschule geschlossen wurde, kam auch das Gebäude zu den bisherigen Grundschulen mit in die Diskussion. Einig war man sich auch, dass die künftige Grundschule als Ganztagsschule angeboten werden soll.
Als sich die Diskussionen um den Standort festgefahren hatten, bestellte die Stadt ein Gutachten, dass sachlich alle Vor- und Nachteile nebeneinander stellen sollte. Auf Empfehlung der Stadt Göttingen wurde ein Architekturbüro beauftragt, das Erfahrungen mit Schulgebäuden hat.
Das Gutachten liegt nun vor und ist öffentlich zugänglich. Die Stadt Bad Lauterberg hat es auf ihrer Internetseite veröffentlicht, um es möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen. Fazit der Gutachter: Am günstigsten käme die Stadt davon, wenn sie die Schule am Hausberg umbauen würde (842.000 Euro). Sie sei groß genug. Teuer werde nur der Einbau eines Fahrstuhls. Die Aula könnte auch als Mensa genutzt werden, empfahlen die Gutachter.
Die zweitgünstigste Lösung wäre es, die Grundschule in Barbis zu nutzen. Da das Gebäude aber zu klein ist, müsste angebaut werden. Der Vorteil wäre, dass man mit dem Neubau gleich pädagogisch optimale Bedingungen schaffen könnte. Auch eine Mensa müsste neu gebaut werden. Da alles ebenerdig ist, entfällt das Problem mit dem Fahrstuhl.
Das Gebäude der Lutterbergschule ist größer als benötigt. Eigentlich reichte der „Neubau“, müsste aber erheblich umgebaut werden. Je nach Variante würden Kosten zwischen 927.000 und 1,95 Millionen Euro für Umbauten benötigt. Darin wären auch die Umbauten für die beiden Turnhallen in der Bahnhofstraße enthalten.
Auch wenn sie davon abraten, haben die Gutachter die Schule in Bartolfelde bewertet. Nötige Um- und Anbauten würden 3,38 Millionen Euro kosten. Nach den letzten Diskussionen haben die Elternvertreter aus Bartolfelde auf die Weiterführung der Schule im Dorf verzichtet.
Die optimale Lösung wäre natürlich ein kompletter Neubau einer Grundschule, erläuterte Thomas Gans, was aber bei Kosten von geschätzten 6,6 Millionen Euro illusorisch sei.
Die Zeit für eine Entscheidung drängt. Denn nach dem mit dem Land Niedersachsen geschlossenen Zukunftsvertrag muss die Stadt so viel Geld einsparen, dass der Haushalt 2016 ohne Schulden auskommt. Und das bedeutet unter anderem, dass es nur noch eine Grundschule gibt.
In der kommenden Woche stellen die Gutachter ihre Ergebnisse den Ratsmitgliedern und Bürgern ausführlich vor. Am Montag beginnt eine gemeinsame Sitzung des Bau- und des Schulausschusses um 18 Uhr im großen Ratssaal und am Donnerstag findet um 18 Uhr in Osterhagen eine Ratssitzung statt, in der das künftige Schulmodell Haupt-Tagesordnungspunkt ist. Eine Entscheidung soll in den Sitzungen aber noch nicht fallen, um genügend Zeit zu haben, die Argumente zu bedenken und zu diskutieren.
Der Rat hat noch weitere Dinge zu bedenken als die Eltern und Lehrer, erläuterte Thomas Gans im Pressegespräch. Denn es gehe auch um die Nachnutzung der Schulgebäude. Es werde schwer, zwei Gebäude (Schule am Hausberg und Lutterbergschule) in der Kernstadt zu vermarkten. Außerdem leben etwa 2/3 aller Grundschüler in der Kernstadt.
Für den Rat wird auch die Hallennutzung eine Rolle spielen. Wenn eine Sporthalle nicht mehr für den Schulbetrieb benötigt wird, muss sie geschlossen werden. Ginge man nach Barbis, müssten die beiden Sporthallen in der Bahnhofstraße geschlossen werden, ebenso die Halle in Bartolfelde. Entschiede man sich für die Kernstadt (Lutterbergschule oder Schule am Hausberg) würden die Hallen in Barbis und Bartolfelde geschlossen. Da aber viele Vereine die Hallen außerhalb der Schulzeit nutzen, wird den Ratsherren die Entscheidung schwer fallen – so oder so.
Da es um eine sehr weitreichende Entscheidung geht, kam nun den Fraktionen die Idee auf, die Bürgerinnen und Bürger zu befragen. Zwar ist der Rat nicht an das Votum der Bürger gebunden, aber wenn es deutlich ausfällt, wird sich kaum ein Ratsmitglied diesem entziehen können. Der Rat würde also die Entscheidung an die Bürger geben.
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