Krisensitzung beim Abwasserverband

16. Oktober 2015

Der Vorsteher des „Abwasserverbandes Bad Lauterberg und Umgebung“, Dr. Thomas Gans, hat heute den Vorstand zu einer Krisensitzung einberufen. Der Grund ist eine polizeiliche Durchsuchung des Verwaltungsgebäudes und der Geschäftsstelle am 13. Oktober. Diese war Folge einer Anzeige des Abwasserverbandes, weil offensichtlich angeliefertes Fettwasser verunreinigt war. Die Rede ist von Mineralölen.

„Es gibt den begründeten Verdacht, dass verbotene Substanzen angeliefert wurden“, erklärte Gans in einer Pressekonferenz auf der Anlage gleich nach der Vorstandssitzung und einer Betriebsversammlung. Für die Bakterien in der Kläranlage (biologische Stufe) wird regelmäßig in geringeren Mengen Fettwasser beigemischt, um diese zur Produktion von Fäulnisgasen anzuregen. Mit diesem Gas wird ein Blockheizkraftwerk auf der Anlage betrieben, erläuterte Gans.

Rund 150 Kubikmeter Fettwasser, zu dem unter anderen verbrauchte Frittenfette gehörten, werden jeden Monat von drei verschiedenen Firmen angeliefert. Eine der Firmen muss fremde Stoffe auf diesem Wege illegal mit entsorgt haben. Diese Stoffe schaden der Biologie der Kläranlage.

„Die Anlieferer können das sonst abgeriegelte unbeobachtet befahren“, erläuterte Gans. Trotzdem müssten die Mitarbeiter der Kläranlage etwas bemerkt haben, ist er überzeugt. Deswegen ermittle die Staatsanwaltschaft auch gegen zwei der zehn Mitarbeiter des Abwasserverbandes.

Aufgefallen war einigen Mitarbeitern schon im Sommer, dass sich das Wasser in der Kläranlage verfärbt hatte, wofür es keine Erklärung gab. Wasserproben im eigenen Labor hätten auch zu keinen Auffälligkeiten geführt. Die Laboruntersuchungen, so Gans, seien auch nicht für die Analyse von Fremdstoffen angelegt. Es gehe dabei nur darum festzustellen und zu belegen, dass das Wasser nach der Klärung in ein öffentliches Gewässer geleitet werden darf. Nach der Klärung der Abwässer wird dieses in die Oder abgeleitet.

Die Mitarbeiter hätten die Verfärbung dem Leiter der Anlage gezeigt, dieser habe diese Beobachtung aber nicht an den Vorsteher weitergeleitet, so der Vorwurf. Ob er damit etwas vertuschen wollte oder den mehrfachen Zwischenfall als nicht meldepflichtig eingestuft hat, muss die polizeiliche Ermittlung ergeben. Derzeit ist der technische Leiter von seinen Aufgaben entbunden und hat auch Betretungsverbot für das Gelände der Kläranlage.

„Wir hoffen, dass sich alles bald aufklärt und wir so schnell wie möglich wieder zum Normalbetrieb übergehen können“, so Gans. Da er selbst die Behörden eingeschaltet habe, sei es selbstverständlich, dass die Ermittlungsbehörden jede Unterstützung zur Klärung der Unregelmäßigkeiten erhalten würden.

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