Über Grundschulen Gedanken machen

03. Dezember 2013

"Wir haben mit Entwicklungen bei den Grundschulen zu kämpfen, die uns zu gemeinsamen Überlegungen führen müssen", sagte Bürgermeister Dr. Thomas Gans in der vergangenen Woche bei einer Info-Veranstaltung für Lehrer und Eltern. Auch Ratsmitglieder informierten sich. Bei der Entwicklung der Schulen sind einerseits gesetzliche Vorgaben zu beachten, andererseits die demographische Entwicklung. Um gemeinsam Lösungen zu finden, stellte Gans die Fakten zusammen, damit alle die gleichen Voraussetzungen für eine sachliche Diskussion haben.

Eine wichtige gesetzliche Vorgabe ist, dass spätestens bis zum 31. Juli 2018 die inklusive Schule eingeführt wird. Dann müssen alle Schulen auch für behinderte Schüler offen sein. Dabei handelt es sich um körperlich, geistig, seelisch oder auch um lernbehinderte Schülerinnen und Schüler. "Da reicht es nicht, einfach nur eine Rampe für Rollstuhlfahrer zu bauen oder einen Fahrstuhl", erläuterte der Bürgermeister. Alle schulischen Einrichtungen müssen von allen Schülern benutzbar sein. Vor allem ist dabei an Rückzugs- und Übungsräume zu denken, an Therapie- und Ruheräume, die es bisher in Schulen so nicht gibt. Der zweite Punkt, der eine Herausforderung darstellt, ist die sinkende Schülerzahl. Zehn Jahre sollen Schulträger vorausplanen. "Für die ersten sechs Jahre ist das relativ einfach, denn die Erstkläßler der nächsten sechs Jahre sind schon geboren. Für die Zeit gibt es nur eine Prognose", erläuterte Gans die Schwierigkeiten. So ist nach den Zahlen des Standesamtes klar, dass im kommenden jahr 82 Erstkläßler an die drei Grundschulen eingeschult werden, im Jahr 2019 werden es schon 20 weniger sein, also 62. Rechnet man mit dieser Tendenz weiter, können im Jahr 2029 nur noch 34 Kinder eingeschult werden. Nach den vorliegenden Daten ist zu erwarten, dass ab dem Schuljahr 2021/2022 dauerhaft für Bad Lauterberg mit allen Ortsteilen nur noch zwei Eingangsklassen zustande kommen. Bereits zuvor gibt es einen schwachen Jahrgang: zur Einschulung 2015 werden insgesamt nur 44 Kinder erwartet - auch dieser Jahrgang wird zweizügig.

Gesetzlich Vorgabe ist es, dass Klassen erst ab einer Stärke von 26 Kindern geteilt werden. Sind weniger als 26 Kinder in einem Lehrgang, bleibt die Klasse einzügig, also ohne Parallelklasse.

In der Diskussion ging es leider nicht in erster Linie darum, wie bei den voraussehbaren Gegebenheiten die beste Unterrichtsqualität für die Schüler gewährleistet werden kann. Denn dafür sollten Lehrer, Eltern und Schulträger (für die Grundschulen die Stadt) ein tragfähiges Konzept entwickeln. Die Diskussion war mehr geprägt von der Sorge in Bartolfelde, dass diese Grundschule geschlossen wird, was man unter allen Umständen verhindern möchte.

Eine Lehrerin mahnte am Schluss, anstatt sich gegenseitig Schließungsabsichten vorzuwerfen und die Qualität der Grundschulen gegeneinander ausspielen zu wollen, sollten die Eltern dazu kommen, die gemeinsame Schullandschaft mit den Lehrern zu gestalten. Nur das helfe angesichts der Fakten weiter. Und wenn der Schulträger diese Möglichkeit anbiete, sollte man sie schleunigst annehmen.

Die Präsentation des Abends mit allen vorgestellten Zahlen ist unter "Downloads (pdf)" herunterzuladen (s. unten auf der Seite).

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